Kategorie: PR allgemein
Image hin, Suchmaschinenmarketing her: Am Ende treibt die meisten Unternehmern vor allem Eitelkeit bei dem Wunsch, in der Wikipedia gelistet zu sein. Auch wenn Langlebigkeit (nicht nur) bei Technologie-Unternehmen mittlerweile eher selten geworden ist: Der Wille, etwas Bleibendes zu schaffen und in Erinnerung zu bleiben, ist nach wie vor eine starke Motivation für fast jeden Gründer. Und was ist in der heutigen Zeit eine deutlichere Hinterlassenschaft für die Nachwelt als ein Eintrag in der weltgrößten Enzyklopädie WIkipedia, auch wenn man nicht damit rechnen sollte, dass der Beitrag genauso oft gelesen wird, wie der über General Motors (1,6 Mio Leser jährlich) oder Wal-mart (1,4 Mio Leser jährlich).
Aber so einfach ist das leider nicht.
Die Relevanzkriterien
Wikipedia macht klare Ansagen, welche Unternehmnseinträge relevant sind und welche nicht. Abgesehen von bestimmten Branchen (z.B. Brauereien, Verkehrsbetriebe, Krankenhäuser oder Messen), für die gesonderte Anforderungen genannt werden, gibt es eine Auflistung eindeutiger Kritieren:
Unternehmen müssen.
- mindestens 1000 Vollzeitmitarbeiter haben oder
- einen Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro vorweisen oder
- mindestens 20 Betriebsstätten im Sinne von Art. 5 OECD-MA DBA besitzen (damit sind eigene Zweigniederlassungen, Produktionsstandorte, Filialen, Ladengeschäfte eingeschlossen, nicht jedoch unabhängige Handelsvertreter oder Vertriebspartner), und dabei mindestens zwei der drei in § 267 Absatz 2 HGB bezeichneten Merkmale überschreiten, oder
- an einer deutschen Börse im regulierten Markt oder in einem gleichwertigen Börsensegment in anderen Staaten gehandelt werden
Bis dahin ist es für jeden absolut eindeutig und nachprüfbar, ob ein Unternehmen bei Wikipedia gelistet werden darf oder nicht.
Ausnahmen, Tipps und Regeln – Fragen an Markus Henkel
Unternehmen können aber auch gelistet werden, wenn sie
- bei einer relevanten Produktgruppe oder Dienstleistung eine marktbeherrschende Stellung oder innovative Vorreiterrolle haben. Hier ist eine unabhängige Quelle erforderlich und es wird entsprechend kritisch. Was ist eine relevante Produktgruppe? Und was wird als unabhängige Quelle akzeptiert.
Hierzu habe ich den Wikipedia-Autoren und Journalisten Markus Henkel befragt:
Kannst Du dazu Beispiele nennen, wo Marktführerschaft oder innovative Vorreiterrolle nachweisbar waren/sind und durch wen?
Was Wikipedia genau damit meint, wissen die werten Herren wahrscheinlich selbst nicht. Tatsächlich ist das ja grundsätzlich eher bei den kleinen Unternehmen der Fall. Sie werden dann wegen ihrer Innovation und des kleinen Budgets von den Großen geschluckt. Danach herrscht meines Erachtens automatisch die erwähnte Marktführerschaft. Einen entsprechenden Fall würde ich mit dem “Etherpad” beschreiben. Das Tool wurde 2008 veröffentlicht und hatte einen innovativen Status. Dann kaufte Google das Unternehmen, stellte die Entwickler kurzer Hand bei sich ein und präsentierte 2009 Google Wave. Warum allerdings diese Verknüpfung wenig Beachtung bei der Wikipedia-Gemeinschaft erhält ist mir schleierhaft – lediglich die Übernahme wird erwähnt.
Wenn man sich auf die Marktführerschaft in einem relevanten Bereich berufen kann, was empfiehlst Du: Ist es besser, zunächst einen erfahrenen Wikipedianer anzusprechen oder ist es besser, wenn man sich selber um den Eintrag bemüht? Und wenn ersteres: Wie findet man diesen? Wie spricht man sie an, ohne zu nerven? Sind das die Aufgaben der PR-Abteilung und der Agentur?
Will man einen eigenen Eintrag, lernt man das Drumherum am besten selbst. Die Transparenz der Enzyklopädie ist ja keine Hexerei. Ich selbst habe mich da auch mit einigen Einträgen hineingefuchst. Einfache HTML-Kenntnisse reichen bereits aus und die fehlenden schaut sich der Autor von anderen Einträgen ab. Mit ein wenig Übung steht der erste Text bereits nach wenigen Stunden, die ersten Kommentare und Text-Anmerkungen allerdings auch.
Zu Anfang wird hauptsächlich an einer sachlichen Formulierung gefeilt. Agenturen würde ich aus genau diesem Grund nicht engagieren. PR-Agenturen, die in jedem Eintrag einen Mehrwert des Produkts sehen, schreiben auch so. Die Kontrolleure der Wikipedia wissen das und erkennen solche Texte fast immer – bei einigen sorgen dann Kommentare der Leser dafür, dass erneut kontrolliert wird. Agenturen zu finden wird nicht allzu schwer sein. Viele prostituieren sich meist schon für weniger. Eine gute Agentur zu finden, die ehrlich an die Sache geht, ist meist ein unmögliches Unterfangen – auch weil der Kunde König ist. Aber dahingehend lasse ich mich gerne eines Besseren belehren. Wenn ich Unternehmen und Organisationen in die Wiki bringen soll, sind zuvor lange Gespräche sinnvoll. Die Job-Absage ist hinsichtlich der unterschiedlichen Auffassungen keine Seltenheit. Der Autor soll ja auch dazu beitragen, Information bereitzustellen. Darf er das nicht, liest sich der Artikel auch so. Die Quittung: die Löschung des Artikels.
Wenn man die Kriterien erfüllt: Was gehört unbedingt in einen Beitrag und was auf keinen Fall? Wie viele Bilder sind üblich? Sollten Sponsoring-Maßnahmen erwähnt werden oder eher nicht?
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So, jetzt festhalten! Heute geht’s knallhart zur Sache!
Nachdem ich vor ein paar Wochen die schwer messbaren „Softskills“ guter Pressebilder beschrieben habe, findet ihr hier heute Parameter, die man ganz eindeutig bewerten kann.
Es geht also um die Hard Facts. Es geht darum, den Weg eurer Visuals in die Redaktionen dieser Republik so problemlos wie möglich zu gestalten. Es geht darum, gleichzeitig die Veröffentlichungschancen zu erhöhen. Und es geht um einen effizienten Workflow.
Da wir uns hier mit gänzlich unpoetische Tatsachen beschäftigen, jetzt ohne weiteres Vorgeplänkel oder blumige, weitreichendere Umschreibungen mit unwichtigen Zwischenschritten einfach gleich und direkt zur Sache!
(Note to self: funktioniert irgendwie bei einer Vielquasslerin wie mir nur so halb gut
)
8 Tipps für die Übergabe von PR- Visuals an Redaktionen
1. Fotos mit der Bezeichnung „foto1.jpg“ oder „DSC_4637383939202384093030.jpg“ landen schnell irgendwo im Festplatten-Nirvana. Eindeutig gekennzeichnete Dateien (frischefische_infografik_fb-nutzung.jpg) dagegen, findet der Empfänger mit Sicherheit zehn Mal schneller wieder. Ganz nebenbei schafft man so auch eine Ordnung für die eigene Datenablage.
2. Generell gilt für den Versand im Netz:
- Dateinamen immer ausschließlich in Kleinbuchstaben schreiben (auch am Wortanfang)
- Umlaute oder „ß“ vermeiden
- Keine Sonderzeichen außer Unterstrich (_), Bindestrich (-) oder Punkt (.) verwenden
- Möglichst keine Namensromane schreiben, maximal 40 Zeichen sollten genügen
3. Vor der Freigabe eines Bildes sollte sichergestellt sein, dass man alle erforderlichen Rechte zur Veröffentlichung besitzt. Darunter fallen beispielsweise auch, die Persönlichkeitsrechte der abgebildeten Personen zu beachten oder ggf. die Namensnennung des Fotografen/Urhebers der Grafik.
4. Alle Infos zu Rechten, Urheber und Bildinhalt hinterlegt man am Besten als Metatext im IPTC-Standard. So sind alle wichtigen Angaben direkt in der Bilddatei verankert.
5. In der Theorie wählt man für Bilder, die in gedruckter Form verwendet werden, das Dateiformat .tif, Web-Grafiken speichert man meistens als .jpg. Praktisch hat sich allerdings für mich gezeigt, dass Redaktionen .jpg-Files in unserem Pressebereich bevorzugen, da sie wesentlich weniger Speicherplatz benötigen.
6. Trotzdem ist auch bei der Weitergabe von.jpg-Dateien druckfähige Auflösung Pflicht (300dpi) – es sei denn, man verwendet die Datei ausschließlich im Netz. Egal wie hoch aufgelöst man die Dateien zur Verfügung stellt, beim Speichern die höchste Qualitätsstufe in den Bildoptionen zu wählen, kann nie schaden.
7. Um die Chance einer Veröffentlichung zu erhöhen, ist es ratsam auch die Arbeit der Layouter so einfach wie möglich zu gestalten. Übergibt man Visuals in verschiedenen Formaten (Hoch- und Querformat) und/oder mit ausreichend Platz zum Beschnitt am Bildrand, können sie besser ins bestehende Layout eingepasst werden.
8. Das A und O ist allerdings, dass PR-Bilder für den Redakteur schnell und intuitiv zu finden sind. Ein strategisch gut platzierter Pressebereich auf der eigenen Homepage und Direktlinks beim Verteilen der Pressemeldungen helfen dabei.
Girls, Girls, Girls – zum ersten Mal in der Geschichte der Echtzeit fand am Montagabend eine Echtzeit nur für Frauen statt. Ich muss schon zugeben -, ich war skeptisch. Schon zu Unizeiten bin ich aus jedem Gender Studies-angehauchten Seminar geflüchtet. Nicht, weil das Thema mich nicht interessierte, ganz im Gegenteil, aber ein Haufen voller Studentinnen, die zur Gender-Problematik diskutieren, und wo kein einziger Mann am Tisch sitzt und mitredet – nein , danke. Die angesprochene Zielgruppe der Echtzeit Weiblich waren jedoch Gründerinnen, Unternehmerinnen und Frauen in Führungspositionen, also genau die Art Frauen, die sich eigentlich jedes Gender-Seminar als Paradebeispiel wünschen würdet.

Schon vor Beginn der Veranstaltung durfte ich mir von meinen männlichen Facebook-Kontakten aus der Branche (ich betone, AUS DER BRANCHE) Sprüche anhören wie: Was soll es denn da geben? Redet ihr dann über neue Haarfarben und trinkt Weinschorle und Prosecco? Was will man denn da? Da kann man doch noch nicht einmal mehr über Fußball reden? Gesprächsstoff, ich tippe 90% Dschungelcamp, 10% Haarfarbe… Jungs, ich weiß ja, ihr wärt alle sehr sehr gerne dabei gewesen, als Hahn im Korb umgeben von Gründer-Chicks – is klar. ^^ Der einzige Glückliche an diesem Abend war allerdings Alex Hüsing – und auch der durfte nur am Empfang stehen und Tickets entgegennehmen.
Die Echtzeit Weiblich fand im Eplus-Basecamp statt und, ganz im Gegensatz zu den Schätzungen meiner werten Facebook-Kontakte, war die Veranstaltung mit über 120 Teilnehmerinnen wirklich gut besucht. Und, um es kurz und knackig zu sagen: Es war super und das nicht nur, weil Fußball zum Glück kein Lückenfüller-Thema war. Es gab auch keine Lücken, die da hätten gefüllt werden müssen. Eins können Frauen: kommunizieren. Sicher waren unter den Anwesenden auch viele Start-ups, die sich auf typisch weibliche Bereiche wie Fashion, E-Commerce, Kosmetik usw. konzentrieren. Aber meine liebe Herren, auch da muss man Geschäfte machen, denn wie wir alle wissen, ist die weibliche Kaufkraft nicht zu unterschätzen!
Ich habe mir vor der Veranstaltung die Frage gestellt, ob es denn wirklich einen Bedarf für eine Echtzeit Weiblich gibt, denn die reguläre Veranstaltung ist nach meinen Erfahrungen durchaus gut besucht. Wie ich nachher im Gespräch mit Veronika Hüsing aber erfahren habe, ist der Frauenanteil dort meist vergleichsweise relativ niedrig. So entstand wohl auch die Idee zur Echtzeit Weiblich. In einem sehr interessanten Gespräch mit Andrea Wittek von Acomba erfuhr ich, dass sie extra aus Augsburg für diese Veranstaltung angereist ist und eigentlich dachte, dass sich hier Gründerinnen aus ganz Deutschland treffen. Der Großteil der Anwesenden war wie zu erwarten war aus Berlin – aber die Idee einer bundesweiten Echtzeit Weiblich fand ich großartig. Wenn diese Veranstaltung sich im Laufe der Zeit zu einer bundesweitem Gründerinnen/Unternehmerinnen-Veranstaltung entwickelt und man vielleicht auch noch ein kleines Rahmenprogramm mit Speaker Slots etc. einbaut, dann könnte diese Form der Echtzeit bald so begehrenswert werden wie ein Paar Manolo Blahniks.
Zum Abschluss noch eine kleine, aber feine Drohung meinerseits. Bei weiteren “Dschungelcamp-Haarfarbe”-Sprüche lade ich zur nächsten regulären Echtzeit diese kleine Dame ein: Jungs, da gibt es nichts mehr zu lachen. Die zeigt euch, wo in Zukunft der Hase langläuft.
Gerade kam die Einladung in die Jury für die “Linux New Media Awards 2011″. Das freut mich riesig, denn diese Awards sind seit vielen Jahren die wohl bedeutendsten Auszeichnungen für Open-Source-Produkte und -Projekte in Europa. Und außerdem verbinde ich ein paar persönliche Momente mit den Preisen:
Im Jahr 2001 bekam ich die Preisverleihung erstmals mit, damals als PR-Vertreter der französischstämmigen Linux-Distribution MandrakeSoft. Wir mussten uns zwar dem Platzhirsch SuSE klar geschlagen geben, belegten in der Distri-Kategorie vor Red Hat, Slackware, Corel, Debian & Co einen unerwarteten zweiten Platz. Der SuSE-Pressesprecher knirschte mir anschließend mit seiner Plastik-Trophäe in der Hand seine Anerkennung zu, wir freundeten uns dennoch an und seit 5 Jahren gehört Christian zum Fische-Team.

2004 fungierte ich dann selbst als Conférencier der Preisverleihung im Rahmen der LinuxWorld-Messe in Frankfurt. Mandrake war zu Mandriva geworden und verschwand allmählich wieder in der Versenkung. SuSE gehörte mittlerweile zu Novell, war nicht mehr ganz so sexy, erhielt aus meinen Händen aber zu den Klängen des Rocky-Themes dennoch den Distri-Preis. Apple gewann übrigens in der Kategorie des besten Notebookherstellers. Ich war neugierig, ob vielleicht Steve Jobs persönlich… Der Preis wanderte unabgeholt ins Körbchen zurück.
Mit OpenVZ, OTRS, Open-Xchange, OGo, sones, Ubuntu und anderen hatten wir in den vergangenen Jahren immer wieder heiße Kandidaten auf den ein oder anderen Award im Portfolio, aber laut meiner Erinnerung wurde nie etwas daraus.
Die Verleihungszeremonie wanderte von der LinuxWorld über den LinuxTag zum LinuxPark auf der CeBIT – was aber blieb, ist die redaktionelle Güte der Nominierungen und die Qualität der Jury, die seit jeher aus internationalen Open-Source-Koryphäen besteht – mit Ausnahme von mir freilich, ich werde bloß als Elder OS-Marketingman mitgeschleppt.

Einige Awards lassen sich kaufen, andere lassen Abstimmbetrug mehr oder weniger offen zu, bei wieder anderen geht’s nach der Reihe… Und einmal habe ich es sogar erlebt, dass mich der Auslober eines Awards vor der Bekanntgabe angerufen hat, damit ich doch bitte meinen Favoriten ändere. Der eigentliche Gewinner würde ihm nicht passen und der Zweitplazierte läge nur eine Stimme dahinter.
Das alles gibt’s bei den LNM Awards nicht. So, ich begebe mich mal in die Wahlkabine.
Als ganz frischer Frischer Fisch, der sich in der Agentur seit einigen Wochen um das „Aufhübschen“ verschiedenster Inhalte kümmert, möchte ich auch durch unseren Blog zur Verschönerung der PR-Welt beitragen
. Am Anfang stand die Idee einer kleinen Liste von Ratschlägen für bessere Visuals in Pressemeldungen. Dabei fiel mir allerdings schnell auf, dass diese Thematik nicht nur ungemein spannend, sondern mindestens genauso umfassend ist. Deshalb findet ihr hier den ersten Appetithappen einer kleinen Serie rund um Fotos, Grafiken und deren Verwendung als Pressematerial.
Kurzes Gedankenexperiment zu Beginn: Stellt euch vor, ihr blättert in einer Zeitschrift oder surft im Netz. Was fällt dabei wohl als allererstes ins Auge? Fettgedruckte Überschriften? Das Logo? Oder vielleicht auffällig platzierte Subheadlines?

Ich mag die bunten Bildchen....
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Ich habe lange überlegt, was und wie ich über die diesjährige Popkomm bloggen soll. Die Themen der unterschiedlichen Panels klangen auf dem Papier alle total spannend und auch die Panelteilnehmer ließen auf interessante Diskussion über die Zukunft der Musikbranche hoffen. Dem war leider oft nicht wirklich so. In vielen der Panels durfte ich eher Unternehmenspräsentationen statt interessanter Diskussionen lauschen. “Wir können mit Start-up XY das und dieses machen, unser Portal ist aber die Schnittstelle für dieses und jenes ….”
Natürlich war es mitunter sehr interessant, wer sich da präsentiert hat und was sich gerade so tut auf dem Markt. Doch was hat gefehlt? Warum waren vor allen Dingen teilweise so wenig Leute im Publikum?

Die Popkomm: Besucherzahl im Sinkflug
Hier meine Wunschliste für die Popkomm 2012:
1) Mehr internationale Sprecher: Für eine internationale Musikmesse müssen mehr internationale Sprecher her. Deutsche Plattformen/Dienste, insbesondere der Berliner Start-up-Szene, reichen logischerweise nicht aus, um die Zukunft eines internationalen Marktes zu diskutieren.
2) Sprache: Panels und Keynotes sollten zwar vorrangig in englischer Sprache stattfinden, deutschsprachige Panels kann es insbesondere zu deutschen Themen aber durchaus auch geben (muss natürlich im Programm ausgewiesen werden). My Advice: Alle Sprecher und Panelteilnehmer, die sich bei dem Gedanken, auf einer Bühne in englischer Sprache öffentlich zu diskutieren, unwohl in der Magengegend fühlen, sollten dies 2012 bitte tunlichst sein lassen.
3) Wo waren die Musiker? Was wäre die Musikindustrie ohne Musiker? Schlicht und einfach nicht existent. Warum waren also so wenig Musiker auf dem Podium und auch im Publikum? Gerade die Meinung des Künstlers, der ja anscheinend vom Songschreiben über das Online-Marketing bis hin zur Videoproduktion und Vermarktung auf YouTube alles allein machen kann (oder soll ??? – ist das wirklich so?), gerade der ist doch in so einer Diskussion mehr als wichtig. Da können noch so viele tolle Promotiontools, Online-Broadcasting-Plattformen, Facebook-Merchandising-Shops usw. auf dem Markt kommen – werden die denn auch genutzt oder noch viel wichtiger – wollen sie überhaupt genutzt werden?
4) Branchenmix: Neben mehr Musikern und Künstlern im Allgemeinen (was sagen eigentlich Regisseure für Musikclips zum YouTube-Broadcasting?) hätte ich mir innerhalb der Panels auch wesentlich mehr Musikjournalisten, Plattenlabelchefs, Verantwortliche von dementsprechenden TV-Formaten und vielleicht auch Wirtschaftsexperten gewünscht. So ein Branchenmix heizt die Diskussion an bzw. ist die Grundlage für eine branchenübergreifende, zukunftsorientierte Diskussion.
5) Sexy Pärchen – Berlin Music Week & Popkomm: Tim Renner sagte gerade im Interview mit der BZ, er wünsche sich, dass es der Tante Popkomm gelingt, dauerhaft zum sexy Partner für die Berlin Music Week zu werden. Dafür muss die Berlin Music Week aber auch noch wesentlich an Sex-Appeal zulegen. Kaum jemand wusste, wo er am Abend hingehen sollte, da viele Locations und gleichzeitig viel zu wenig Orientierungshilfe. Wäre ein gemeinsames Headquarter von Berlin Music Week & Popkomm nicht wünschenswert? Wenn man dann noch Workshops für Künstler (wie z. B. die a2n-Werkstatt) am selben Ort veranstalten würde wie die Popkomm, was für eine verrückte Mischung von Business und Künstler würde da wohl zusammenkommen?
Also liebe Popkomm, liebe Berlin Music Week: Come together and mix up the crowd – this time for real!
Im gestrigen Beitrag zur Berlin Music Week ging es ja vor allem um die Akteure der Musikwirtschaft, die in den kommenden Tagen bei den unterschiedlichsten Panels und Workshops über die Zukunft des Musikkonsums und neue digitale Vermarktungswege diskutieren werden.
Da aber ohne Bäcker kein Brot und ohne Fleiß keinen Preis, bekommt nun standesgemäß der Künstler hier im Fischeblog die größte Aufmerksamkeit. Wenn ich also musikschaffender Künstler bin, wie beschreite ich denn überhaupt den Weg zur Profikarriere? Wer arbeitet mit mir an meiner eigenen musikalischen Entwicklung? Muss man heute vielleicht erst auf YouTube veröffentlichen, um eine Chance auf einen Plattenvertrag zu bekommen? Und warum überhaupt Plattenvertrag? Vielleicht sollte ich direkt mein eigenes Label gründen und unter diesem veröffentlichen? Hat Ani Di Franco doch auch gemacht – und das damals mit nur 50 Dollar in der Tasche.
Auf der Berlin Music Week gibt es dieses Jahr jede Menge Veranstaltungen und Workshops, bei denen sich Musiker und Kreative jeden Genres direkt Tipps bei den Profis der Branche abholen können.
a2n-Werkstatt: Coachings und Workshops für Musiker und Kreative

Den Anfang macht am Donnerstag die all2gether – Werkstatt im Headquarter der Berlin MusicWeek, dem .HBC am Alexanderplatz. Die a2n-Werkstatt ist eine Art „Open Coaching“ für Bands und Musiker, die Kontakte mit Profis knüpfen und wissen wollen, wo sie stehen und vor allen Dingen wie sie weiterkommen können. Tim Renner betonte am Dienstag zur Pressekonferenz, dass die a2n-Werkstatt Musiker, Labelchefs und langjährige Experten aus dem Musikbusiness an einen gemeinsamen Tisch bringen will. Bei der Auswahl an Experten und Labelvertretern klingeln den Kreativen und Musikern sicher die Ohren.
Public Coaching:
Electronic (10-12 Uhr): Coaching mit Lars Lewerenz (Audiolith), sowie Sascha Kösch (de:bug) und Daniel Best (Bestworks/G.I.Disco)
Rock/Pop (12-14 Uhr): Coaching mit Ralf Niemczyk (Redaktionsleiter Musikexpress / ex-Spex), Joe Chialo (Airforce1.TV/Universal) und Esther Riegerl (Peter Rieger Konzert Agentur)
Urban/Hip-Hop/Black (15-17 Uhr): Neffi Timur (Urban/Universal
Domestic Vertigo), sowie Pyranja (MC & Radio Host Soundgarden/Radio Fritz) und sowie Stephan Szillus (Chefredakteur Juice Magazine)
Alternative (17-19 Uhr): Tim Renner (Motor Music), Yessica Yetil (unclesally*s), Ben Rodenbergl (Gastspielreisen Booking Agency) sowie Maurice Gajdal (Pop10/Fritz)
Um an den oben genannten Coachings teilzunehmen, müssen Musiker und Bands sich mit einem eigenen Track bewerben, den sie vorab auf die Soundcloud Dropbox der a2n-Werkstatt hochladen.
Für Kurzentschlossene besteht jedoch trotzdem die Möglichkeit, sich mit ihrem Track noch direkt am Donnerstag Morgen vor Ort im .HBC zu bewerben, wie Andrea Goetzke von a2n am Dienstag auf der Pressekonferenz versicherte.
Neben den Public Coachings werden außerdem jede Menge Workshops zu den unterschiedlichsten Themen rund um das Musiker- und Künstlerdasein angeboten. So wird es beispielsweise um Themen wie „Crowdfunding“, „Lizenzierung der eigenen Musik für Film, Werbung und Games“, „Musik machen mit mobilen Endgeräten“ oder eben auch zur „Künstlersozialkasse “ gehen – das Musikerleben besteht eben nicht nur aus Spielen und Live-Auftritten.
Das vollständige Workshop-Programm findet sich hier.
Der Eintritt für den kompletten a2n-Werkstatt-Tag inklusive sämtlicher Workshops liegt bei erschwinglichen 10 Euro. Tickets gibt es online oder auch direkt vor Ort.
RED BULL MUSIC ACADEMY – Legendäre Hansastudios öffnen die Pforten
Ein weiteres Highlights für die musikschaffende Gilde ist sicherlich die RED BULL MUSIC ACADEMY WORLD TOUR, die zur Berlin Music Week auch in der Hauptstadt halt macht. Neben einem exklusiven Eröffnungskonzert im Hansa-Meistersaal mit Brandt Brauer Frick und der Elektronik-Legende Moritz von Oswald wird es diverse persönliche Couchgespräche und Workshops mit echten Producer-Größen geben. Hier ein kleine Auswahl:
Lectures am Donnerstag:
* Couchgespräch mit diversen Legenden der Hansa-Studios, u. a. mit Tom Müller, dem Ton-Ingenieur bei Hansa aus den prägnanten Jahren 1971 bis 1989, der über die Zusammenarbeit mit Stars wie David Bowie sprechen wird.
Lectures am Freitag:
* Rap-Newcomer Casper wird sich mit Redakteur Jahn Wehn (Juice, DE:BUG) über die Entstehung seiner Arbeiten unterhalten. Danach gewährt Gareth Jones Einblicke in seine Arbeit und plauert über seine legendäre Zeit als Produzent von Depeche Mode, Einstürzende Neubauten, Wire und Erasure.
Jeweils am Donnerstag und am Freitag gibt es auch die Chance für 10 Teilnehmer an einem einen exklusiven Workshops mit Robert Koch oder Gareth Jones teilzunehmen. Wer dabei sein will, kann sich bei intro anmelden und mit etwas Glück gehört er zu den 10 Auserwählten.
Das vollständige Programm der RED BULL MUSIC ACADEMY WORLD TOUR findet man hier.
Sämtliche Events, die zur Berlin Music Week stattfinden, sind hier aufgelistet.
Da auch der Kollege Schwerk sich als Projektleiter der Dresdner Scheune-Akademie intensiv mit dem Thema Band-Coaching befasst, hat er versprochen, hier für all jene, die nicht nach Berlin fahren können, auch noch ein Blogpost mit Tipps zu veröffentlichen.
Und da wir gerade noch bei Gareth Jones und Depeche Mode waren, gibt’s noch einen kleine musikalische Einstimmung zum Eingrooven.

Diese Woche wird es heiß in Berlin, brennend heiß, ums genau zu sagen und damit meine ich nicht die bescheidene Wettervorhersage. Ab Mittwoch startet die Berlin Music Week und mit ihr eine Fülle von Events, die jede Menge Musiker, Künstler und Vertreter der Musikindustrie in die Hauptstadt locken werden. Neben einer Vielzahl von Konzerten, Parties und einem exquisiten Clubprogramm wird es für die Profis der Branche viele interessante Workshops, Panels und Netzwerkveranstaltungen geben, bei denen die Zukunft des Musikkonsums und der digitalen Vermarktung DAS große Thema sein wird. Heute stelle ich euch hier im Fischeblog mal ein paar von mir ausgewählte interessante Veranstaltungen und Panels vor, die sich mit zukünftigen Trends im Bereich Musikkonsum und digitale Vermarktung beschäftigen. Und morgen wird es im Blog dann vorrangig um die Musikschaffenden im Business gehen – und das bedeutet ebenfalls: jede Menge spannende Workshops und Panels, teilweise sogar mit Starbesetzung.
„Meet Berlin“ – Berlin Music Commission
Den Anfang macht die Berlin Music Commission, die gleich am Mittwoch zur Netzwerkveranstaltung „Meet Berlin“ die wichtigsten Berliner Akteure der Musikwirtschaft im Popkomm Networking_Gate zum Austausch bittet. Dort wird es in mehrere Round Table-Gesprächen um spannenden Themen wie „Digitalisierung tut nicht weh / Was die Kreativwirtschaft von anderen Branchen lernen kann“ oder auch „Wertschöpfungspotentiale einer vernetzten Kreativwirtschaft“ gehen. Außerdem finden in Kooperation mit NARIP zwei Pitch Sessions mit den Top Music Supervisoren Andrea von Foerster und Gary Calamar statt, die unter Anderem verantwortlich sind für die Soundtracks von True Blood, Dexter oder auch Grey’s Anatomy. Das ausführliche Programm mit allen Veranstaltungen gibt’s unter: http://meet.berlin-music-commission.de
Popkomm Media_Gate & Networking_Gate
In diesem Jahr bietet die Popkomm erstmals mit dem Networking_Gate und Media_Gate neue Veranstaltungsformate, die sich weg von der klassischen Messe und hin zur Kommunikationsplattform bewegen.
Beim Popkomm Media_Gate geht es von Mittwoch bis Freitag ganz klar um eins: die Zukunft des digitalen Musikkonsums. Die Vertreter der analogen und digitalen Musikindustrie sitzen hier an einen Tisch, neue Konzepte werden vorgestellt und erfolgreiche Gründer von neuen Musikplattformen- und services tauschen sich in diversen Panels und Workshops aus.
Hier eine kleine Auswahl aus dem Programm:
Mittwoch, 7.9.11
- “What happens in the cloud, stays in the cloud – Business model cloud distribution”, Keynote & anschließendes Panel, unter Anderem mit Ben Drury von 7-digital und Oke Göttlich von Finetunes. (07.09.11/11:50 Uhr)
Donnerstag, 08.09.11
-
“Re-invent music business – Who invests in the music industry?” mit u. a. Peter Bochers, Deutsche Telekom und Jörg Binnenbrücker, DuMont Venture. (08.09.11/12:00).
-
“We are jamming digital – International Live collaboration” - Live-Digital-Jamming-Session mit Christoph Raethke, Founder Institute. (08.09.11/14:25)
Die Gesamtauflistung aller Panels & Workshops findet man auf der Seite des Veranstalters, Seedlab.tv.
Beim Networking_Gate auf der Popkomm ist der Name Programm: Hier gibt es dieses Jahr jede Menge Netzwerk-Veranstaltungen, bei denen Aussteller und Fachbesucher zusammenkommen können. Es besteht außerdem täglich die Möglichkeit eines offenen Get-Together, jeweils zum Lunch Break von 13-14 Uhr sowie zur Blue Hour von 17-18 Uhr. Bei den sogenannten Speed-Meeting-Sessions treffen internationale Branchenunternehmer in Einzelgesprächen aufeinander. So präsentieren sich zum Beispiel am 7. September um 14 Uhr Österreich und die Schweiz mit jeweils fünf nationalen Unternehmen. Sämtliche Termine und Veranstaltungen sind hier zu finden.
Zum Abschluss noch ein Video von der Dame mit der wunderschönen Stimme, die am letzten Dienstag bei der Pressekonferenz die Berlin Music Week musikalisch eingeleitet hat: Dear Reader.

Wer nix wird, wird Wirt! Das oder ähnlich „Geistreiches“ hat wohl jeder Kneipier schon mal gehört. Wer allerdings jemals zu Studienzeiten gekellnert hat, weiß, dass das harte Gastroleben weniger nach Sekt und mehr nach Spülwasser schmeckt. Da will man sich als einfache Aushilfe gar nicht vorstellen, wie anstrengend das Leben als Besitzer des Ladens sein muss. Wer dann trotz alle dem immer noch Lust auf ne eigene kleine „Butze“ hat, der gründet dann vielleicht doch lieber etwas vermeintlich weniger anstrengendes – ein Start-up, irgendwas mit Mobile und Internet und natürlich in Berlin, machen ja sowieso gerade alle hier. Machen sie wirklich?
In den Medien wird Berlin derzeit geradezu gehypt, was die Start-up-Szene angeht. Fast jeden Tag werden neue Gründungen bei deutsche-startups.de bekannt gegeben und Techcrunch Blogger Mike Butcher hielt erst kürzlich Hof im St. Oberholz und lud die Entrepreneurs dieser Stadt zur Vorstellungsrunde ein. Berlin brennt vor Gründungswilligen und Kreativen, doch wie innovativ, erfolgreich und nachhaltig sind die Berliner Start-ups wirklich? Um diese Kernfragen ging es am letzten Mittwoch bei der Podiumsdiskussion im Museum für Film und Fernsehen, veranstaltet von Inforadio/rbb.
Zur Diskussion waren vier Gründer aus der Berliner Szene eingeladen: Philip Eggersglüß, unter anderem Gründer des Modelabels “Berlin Loves You” und einer der Leiter vom Founder Institute Berlin, Lydia Horn, Mit-Gründerin von Mobile Melting, einem Unternehmen, das technische Lösungen für ortsbasierte Unterhaltungen wie GPS-basierte Stadtführungen anbietet, sowie Prof. Dr. Liv Kirsten Jacobsen, Unternehmensberaterin und Lehrstuhlinhaberin am Centre for Entrepreneurship der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder und Theofanis Vassiliou-Gioles, CEO der Testing Technologies GmbH. Harald Asel vom Inforadio leitete das Panel, in dem die zentrale Fragen des Gründens auf den Tisch gepackt wurden. Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Gründen? Wo bekommt man Kapital her? Was macht eine Gründerpersönlichkeit aus und wie und woher bekomme ich die nötige Expertise, um meine Idee auch in die Tat umsetzen zu können?

Panel zum Thema Gründer und Gründen in Berlin
Matchmaking-Challenge: diejenigen, die es können suchen diejenigen, die es wollen
Nach und nach wurden an dem Abend die Kernthemen rund ums Gründen diskutiert, in einem Punkt waren sich allerdings alle Beteiligten schnell einig: das Fundament für eine erfolgreiche Gründung ist und bleibt ein gut funktionierendes Team. Lydia Horn von Mobile Melting brachte es treffend auf den Punkt: An erster Stelle steht das Team, die Expertise findet sich dann automatisch. Langsam kristallisierte sich im Laufe der Diskussion heraus, dass die eigentliche Herausforderung eher darin besteht, diejenigen zusammen zu bringen, die es können und diejenigen, die es wollen. Technisches Know-How meets Creativity!
Doch woher kriege ich als Ideengeber genau den Programmierer/Entwickler, der meine Idee auch technisch realisieren kann? An der Uni, dem vermeintlichen Melting-Pot der Innovationen? Zumindest das Berliner Unisystem ist dafür nur minder geeignet: Techniker sitzen an der TU, Geisteswissenschaftler an der FU & HU und auch innerhalb der Uni sind die Campi fachbereichsgerecht meist fein säuberlich voneinander getrennt. Man geht doch nicht als Literaturwissenschaftler in die Juristenmensa! Der begehrte Programmierer wird zumindest in der Mensa so zur Nadel im Heuhaufen.
Für ein gelungenes Start-up-Matchmaking gibt es in Berlin zum Glück jede Menge Veranstaltungen, Organisationen und Institute, wie zum Beispiel den Entrepreneurs Club Berlin oder auch das Founder Institute, letzteres mitgeleitet von Panel-Teilnehmer Philip Eggersglüß. Der Modelabel-Gründer weiß aus seiner Arbeit, dass es bei einer Gründung eigentlich nie wirklich an Ideen mangelt. Die Schwierigkeiten seien wesentlich komplexer. Wie geht man eine Gründung überhaupt an? Was gibt es rechtlich zu beachten? Wo kommt das notwendige Kapital her? So werden die Studenten am Founder Institute, so Eggersglüß, eben auch auf diese Herausforderungen vorbereitet. Mentoren aus der Praxis unterstützen mit ihrer Erfahrung und jahrelanger Expertise. Wie soll man auch wissen, dass man sich vorab schon rechtlich schützen kann für den Fall, dass man sich zum Beispiel von einem Mit-Gründer trennen muss? Eine Art “Ehevertrag für Gründungspartner” – das hätte sicher so manchen Entrepreneur viel Ärger erspart.
Gründerpersönlichkeit – Talent oder doch erlernbar?
Das Thema Gründerpersönlichkeit und Gründungswille nahm an diesem Abend ebenso viel Raum innerhalb der Diskussion ein. Was für ein Typ Mensch gründet denn überhaupt in Deutschland? So ganz genau konnten die Panelteilnehmer nicht den Finger drauf legen, welche persönlichen Eigenschaften ein Gründer haben muss. An eins darf es jedenfalls nicht mangeln: Mut, Spaß und den Willen, etwas auf die Beine zu stellen. Klingt pathetisch, klingt verdammt nach Studententraum und genau von denen würde man diese Attitüde erwarten. Pustekuchen! Prof. Jacobsen verriet im anschließenden Gespräch, dass nach ihrer Erfahrung doch sehr viele Studenten nach dem Studium unbedingt bei einem der großen, alteingesessenen Konzerne einsteigen, dort die Karriereleiter hochklettern möchten und sich in die „klassische“ Laufbahn reinkatapultieren lassen wollen. Bitte was?
Die Professorin und Unternehmensberaterin hat selbst bei ihren Gründungsseminaren sogar oft mit der Meinung der Eltern zu kämpfen. Die können dem Gründungswunsch ihrer Sprösslinge häufig nicht viel abgewinnen. „Kind, du musst doch nicht gründen, du hast doch studiert, mach doch was Anständiges“ – schon erstaunlich, dass gerade in Zeiten der Finanzkrise auf altbewährte Riesen der Branche „vertraut“ wird. Woher rührt dieser Wunsch nach der vermeintlichen finanziellen „Sicherheit“ eines Großkonzerns, nach der „klassischen“ Karrierelaufbahn, womöglich noch mit anschließender Verbeamtung? Subjektiv gefühlt sind die meisten Eltern heutzutage doch eigentlich der Meinung, dass ihr Kind beruflich etwas machen sollte, was ihm auch Spaß macht. Selbstverwirklichung wird gepredigt, aber sobald die mögliche finanzielle Unsicherheit dazu kommt, zieht man doch den „klassischen“ Karriereweg vor? Nicht, dass alle Konzerne schlecht wären und auch eben genau so eine Karriere auch zu Anfang sehr lehrreich sein kann, aber eigentlich müssten doch die Impulse für neue, junge, innovative Firmenkonzepte eher auch von der jungen Generation kommen, oder?
Zum Glück gibt es auch noch die anderen, die Studenten, Jungunternehmer, die Bock auf etwas „Eigenes“ haben und diejenigen, die vielleicht erstmal ein paar Jahre Berufserfahrung in einem Konzern sammeln, um dann von dort aus zu gründen. Unsicherheit gehört nun mal zum Leben dazu, klingt wiederum pathetisch, ist aber so und Theofanis Vassiliou-Gioles sagte es an dem Abend ganz treffend: Gründen macht Spaß! Und wisst ihr, was noch Spaß macht: die Wertvorstellungen der Eltern ab und an auch über Bord zu werfen und lieber ein ernsthaftes Gespräch mit dem Kneipier seines Vertrauens zu führen.
Wer sich übrigens unsicher ist, ob er überhaupt zum Gründer taugt, der kann dies sogar beim schon erwähnten Founder Institute testen lassen. Wie der Test genau aussieht, wurde an dem Abend leider nicht verraten, es hätte mich aber brennend interessiert.
Den Hörfunkbeitrag vom Inforadio/rbb gibt es hier in voller Länge.
Anfang der Woche kursierte ein spannender Link bei Twitter, betitelt mit “The 50 Best Blogs for PR Professionals”, verfasst von B.school, einem Verzeichnis für wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge. Neugierig geworden, bin ich die 50 US-Blogs einmal durchgegangen und auf hab sie auf Herz und Nieren geprüft: Wie relevant sind sie für die deutsche PR-Landschaft? Wie sieht es mit der Qualität der Posts aus? Was ist mit der professionellen Aufmachung, und der Häufigkeit der Posts? Und wie persönlich gehalten sind sie? Manches hat mich verwundert, anderes amüsiert, wieder anderes eher gelangweilt.
Cocktails, Buchrezensionen und Eigen-Marketing
- Bei mindestens drei von Frauen betriebenen Blogs gab es rosafarbene Martinigläser und/oder Lippenstifte zu sehen auf der Startseite. Ist das ein New Feminism-Ding? Ich kann mir nicht vorstellen, dass das sehr anziehend auf männliche Kommunikationsexperten wirkt. Und es lenkt eher vom (oft durchaus patenten und informativen) Inhalt der Blogposts ab.
- Anders als bei den deutschen Blogs, die ich kenne, und in denen oft auch ein gewisses politisches Bewusstsein durchkommt, ist es bei US-PR-Blogs scheinbar gang und gebe, ein Buch nach dem anderen zu rezensieren. Auch wenn es dabei um PR-Themen geht, ist das oft zu speziell für Leser aus dem Ausland. Und ggf. gesponsert.
- A propos speziell: mindestens 10 der Blogs kämen nicht für mich infrage, weil dort recht kryptisch über (PR-)Firmen gesprochen wird, mit denen der gemeine deutsche PR-Verantwortliche wahrscheinlich wenig zu tun hat.
- Stichwort Häufigkeit der Blogposts: alle 3-5 Tage oder mindestens einmal die Woche wäre schon gut. Das gilt aber für einige der Blogs nicht – bei einem war der letzte Post sogar datiert auf den 10.Januar. Ein leidenschaftlich und vor allem professionell geführtes Blog sieht anders aus…und wer will schon 4 Monate alte ‘News’ lesen? Natürlich stehen hinter einigen Blogs mehrere Verantwortliche und somit auch potentielle Autoren, und andere Blogs werden nur von einem PRler und ggf. Gastautoren gepflegt. Das muss jedoch auch kein Nachteil sein, weil es die persönliche Bindung und den entsprechenden charakteristischen Ton verstärkt.
- Auch etwas mühselig: Schriftgröße 8 und lieblose Aufmachung, gepaart mit Werbung an beiden Rändern und altbackenen, überförmlichen oder unschön gephotoshoppten Bildern laden nicht zum Verweilen ein, wertvoller Content hin oder her. Als PR-Profi sollte man ja nicht nur Erfahrung mit den Neuen Medien haben, sondern dazu in der Lage sein, sich selbst professionell zu vermarkten.
Aber genug der (typisch deutschen?) Kritik. Ziel meiner Recherche war es schließlich vor allem, meine persönliche ‘Top 5′ zu erstellen – von Blogs, die in meinen RSS-Feed wandern: zur Inspiration, aber für Kommunikations-Tipps und Tricks aus Expertensicht. Und hier sind sie:
Blogs, die sich lohnen
Wer sich für News aus der PR-Welt, professionell und lebendig aufbereitet, interessiert, dürfte bei PR Daily fündig werden. Hier dominiert ein hochaktueller, angenehmer Media-Mix aus News, Tipps, Quiz-Posts (u.a. zu “10 Mythen zur Generation der Digital Natives“) und unterhaltsamen Posts und Videos zu den Themen Marketing, Media Relations, Social Media und Krisenkommunikation. Der Ton der Autoren ist persönlich und doch professionell. Aktuell wird hier zum Beispiel nicht nur über die Rolle berichtet, die Burson-Marsteller bei der von Facebook in Auftrag gegebenen Google-Schmutzkampagne gespielt hat. Zusätzlich werden Hintergrundinfos geliefert, die auch ethische Fragen zur Rolle der PR stellen, und welche Konsequenzen eine solche Geschichte hat für die Reputation der Branche. Gemessen an den Ansprüchen, die ich an eine gute (Print-) Zeitung à la Süddeutsche habe, sieht PR Daily alles andere als alt aus.
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