Kategorie: Social Media

Vor genau einem Jahr habe ich hier im Blog einige Gedanken und Erklärungen zum Twitter-Hashtag verfasst und mich dabei auch über die sinnfreie Nutzung vieler Leute “beschwert”. Tatsächlich habe ich das Gefühl, dass mittlerweile sehr viel sorgfältiger damit umgegangen wird. Das kann aber auch daran liegen, dass ich weniger Neulingen folge…

Die Kollegin Marie-Christine Schindler hat jedenfalls gerade eine Umfrage gestartet, deren Ergebnisse den Eindruck der durchdachteren Nutzung stützen, aber auch gleichzeitig eine sehr private Nutzung aufzeigen. Viele vernachlässigen offenbar das Monitoring immer noch. Sie geben zwar an, dass sie ihre Tweets in einem bestimmten Stream (#TVSENDUNG oder #EVENT) pushen wollen, verbinden das aber nicht mit dem Begriff “Monitoring”. Der Hashtag ist vor allem ein Instrument der kurzfristigen Kommunikation: Im Grunde eine SMS  ”to whom it may concern”.

Dabei ist er Twitter-Hashtag derzeit vielleicht das wichtigste Crowdsourcing-Instrument, ohne dass uns das bewusst ist.

Twitter hat bekanntlich viel mehr Nutzer als Foursquare und daher im Grunde das viel größere geodatenbasierte Potential als reine Check-In Communitys. Tweets mit automatisiert übergebener Ortsangabe und bestimmten Hashtags könnte extrem schnell Datenbanken mit geobasierten Infos füllen (Wetter, Blitzer, Staus, zu vermietende Grundstücke).

Weitere Dinge sind denkbar! Mit Couchfunk ist zum Beispiel gerade ein App-Start-up an den Markt gegangen, welches (noch!) nicht viel anderes tut, als Kurznachrichten zu TV-Inhalten anhand von Hashtags zu aggregieren. Vor Kurzem habe ich mit den Machern einige Ideen ausgetauscht, wie man durch Hashtag-Erweiterungen ein excellentes Crowdsourcing betreiben könnte beim Aufbau von Info-Datenbanken (“Orte in Filmen”, “Filmzitate”, “Archiv zu TV Nachrichten  mit lokalem Bezug”).

A propos lokal: Mit ist weiterhin keine Lokalredaktion bekannt, die eine Twitwall in den Redaktionsräumen nutzt, um lokale Tweets (zB #Dresden) zu monitoren, um so News und Meinungen zu monitoren und ggf. zu archivieren. Ihr? Wer jetzt darüber nachdenkt: Zum Thema Stream-Darstellung habe ich hier schon mal eine Übersicht über Social Media Walls verfasst.

 

 

 

 

Sebastian hat mich neulich darauf angesprochen, ob Unternehmen Daten aus sozialen Netzwerken, z.B. Tweets, Beiträge auf der FanPage etc. sichern müssen / sollen / dürfen? Eine spannende Frage, die man im ersten Reflex sarkastisch lächelnd mit der Phrase „Es wäre sicherlich keine schlechte Idee“, beantworten möchte. Diese Antwort ist zwar nicht grundlegend falsch, aber im Detail ähnlich komplex wie die Gleichung E=mc2.

Gibt es eine (gesetzliche) Pflicht zur Datensicherung?

Bedenkt man die Unmengen an Daten, die tagtäglich produziert werden und welchen Wert zumindest ein Teil dieser Daten für Unternehmen hat, ist die Frage ob man Daten sichern SOLLTE, nach meiner ganz subjektiven Meinung rein rhetorisch.

Daneben stellt sich jedoch die Frage, ob es neben dem ureigenen Interesse an der Datensicherung auch eine gesetzliche Pflicht zur Datensicherung gibt. Um die Antwort vorweg zu nehmen: Ja!
In diversen Gesetzen, so z.B.

• dem Handelsrecht
• dem Aktienrecht
• speziell geschaffenen Verwaltungsvorschriften GDPdU, GoBS

findet sich die Pflicht, bestimmte Daten, insbesondere buchhaltungsrelevante Daten nach ganz bestimmten Kriterien zu sichern.

Besonderer Beachtung bedarf dabei der weitreichende §91 Abs. 2 AktG. Diese Vorschrift enthält zwar keine ausdrückliche Pflicht zur Sicherung von Daten oder gar Daten aus sozialen Netzwerken, verpflichtet den Vorstand aber alle Maßnahmen zu treffen, um

den Fortbestand der Gesellschaft gefährdende Entwicklungen zu erkennen.

Das beinhaltet AUCH die Pflicht zur ordnungsgemäßen Datensicherung und umfasst im Gegensatz zu HGB, GDPdU und GoBS nicht nur buchhaltungsrelevante Daten, sondern alle unternehmenskritischen Daten.

Eine weitere Besonderheit ist die Tatsache, dass die wesentlichen Pflichten, die sich aus dieser Vorschrift ergeben nach dem Willen des Gesetzgebers nicht allein den Vorstand von Aktiengesellschaften treffen, sondern auch die Geschäftsführung anderer Rechtsformen, egal ob Personen- oder Kapitalgesellschaft.

Daneben kann sich die Pflicht zur Datensicherung auch aus privatrechtlichen Verträgen, so z.B. Webhosting Verträgen ergeben.

Ergibt sich daraus die (gesetzliche) Pflicht zur Datensicherung in sozialen Netzwerken?

Wie so häufig lautet die Antwort: „Es kommt darauf an“. Konkret darauf wie und in welchem Umfang soziale Netzwerke im Unternehmen genutzt werden und welche Daten dort generiert bzw. vorgehalten werden.
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Wie bereits geschildert, haben wir zusammen mit den Jungs von ostec ein kleines Tool namens Nomimago entwickelt, um personalisierte Titelbilder (Cover Pics) für die neue Facebook Timeline (“Chronik”) zu gestalten. Bisher kann man seinen Namen als Tattoo, als Hollywood-Schild oder als ins Eis gekratzte Schlittschuhspur visualisieren. Weitere Motive und die Individualisierung durch Bilder-Uplaods waren (und sind) geplant. Eine neue Konzeptidee seht ihr hier:

Einsatz für Marketing liegt nahe, ist aber nicht erlaubt

Natürlich hätten wir das gerne auch unseren Kunden angeboten. Wir dachten an Geburtsanzeigen (powered by Windelproduzent) oder Reifenspuren im Wüstensand (powered by Reifenfirma). Leider war es ein wenig unklar, was genau Facebook damit meint, wenn es die Nutzung der Titelbilder für Werbezwecke verbietet. Geht es dabei nur um bezahlte Werbung (sehr verständlich, dass die Nutzer ihre Titelbilder nicht verkaufen sollen) oder auch um gebrandete Bilder, die der Nutzer aus emotionaler Verbundenheit mit der Marke hochlädt?

Aufgrund unseres cleveren Timings (Launch kurz vor Weihnachten), hat es ein wenig gedauert, bis wir gestern dazu eine Antwort von Facebook erhalten haben. Diese lautet:

Leider dürfen die Nutzer nicht aufgefordert werden, Ihre Cover Pics zu ändern, um so zu Anwälten der Marke zu werden. Dafür gibt es auch keine Lizenz, oder eine monetäre Lösung.

Schade…! Trotzdem werden wir das Projekt weiterführen.
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Jeder, der ein Blog und/oder eine Facebookseite pflegt, weiß, dass dort keine Weisheit weniger zählt, als die Mutter aller protestantischen Arbeitsregeln: Von nix, kommt nix!

Du kannst Dir noch so viel Mühe geben für Deinen Blogpost und stundenlang an Formulierung, Herleitung, Verlinkung und Bildmaterial arbeiten: Jedes halbwegs süße Katzenfoto (Arbeitsaufwand im Regelfall: 5 Minuten Digitalfotografie plus 20 Minuten Photoshop) generiert mehr Likes.

Von nix kommt nix? Von wegen! Der dümmste Bauer hat die größten Kartoffeln und macht aus Scheiße Gold. Jedenfalls wenn man Likes als das Gold des Social Universums ansieht.

Aber ganz so ist es natürlich nicht….

So wichtig die Quantität von Likes, Backlinks und Kommentaren im Blog oder auf Facebook natürlich sind, um die Bekanntheit und das Ranking zu verbessern, so fraglich bleibt es doch, wie nachhaltig das Verbreiten lustiger Virales wirkt.

Das Katzenvideo-Dilemma

Im letzten Jahr sind dermaßen viele Fanseiten an den Start gegangen, dass man heute eigentlich nur noch über Unternehmen redet, die noch keine Facebook-Präsenz haben. Das hat zu einem wahren Posting-Gewitter geführt, denn insbesondere unerfahrene Admins waren in einem wahren Teufelskreis gefangen. Um möglichst viele Fans zu bekommen, waren sie möglichst aktiv – ungeachtet der Tatsache, dass bei einer Studie von Cotweet und Exacttarget der häufigste Grund (44%) für das Entfolgen einer Seite war, dass diese zu viele Updates gepostet hatte. Ich erinnere mich an eine Online-Druckerei, die meinte, mir jeden Tag einen Guten Morgen wünschen zu müssen…

Als man dann merkte, dass man mit „Hallo, was macht ihr heute so?“ nicht weiter kam, setze man auf eigene (oder noch einfacher: im Netz gefundene) lustige Bilder. Der Erfolg kommt dabei – je nach Talent – meist relativ schnell. Endlich die ersten Likes, die ersten Shares, die ersten Kommentare. Merke: Der Mensch ist auf Facebook, um sich zu unterhalten.

Nun hat man leider ein Problem: Wer wegen Katzenbildern kommt, der will auch am nächsten Tag nichts über Druckpreise, Software-Updates, Gebrauchtwagenangebote oder wissenschaftliche Theorien hören. Der will: Katzenbilder! Und zwar bitte neue und nicht die, die man schon auf fünf anderen Fanpages gesehen hat.

DANKE vs. LOL: Problemlösungen konvertieren besser als Lacher

Darum sollte man nicht verzweifeln und auch weiterhin auf qualitativ hochwertige Postings setzen und nicht auf Teufel komm raus im Wettstreit um die meisten Likes mitmachen. Das gilt vor allem in Blogs, wo ein Posting auch noch ein Jahr später Traffic erzeugen kann und im besten Falle in einen Kundengewinn mündet.

Im Idealfall versetzt sich der Coporate Blogger immer wieder in die Lage der unterschiedlichen Kundenbedürfnisse (nicht nur aufs eigene Produkt bezogen) und versucht, diese in seinem Blog aufzugreifen. Dafür gibt es in der Regel wenige Kommentare, aber Fakt ist, dass Information und Problemlösungen immer noch erfolgversprechender sind als kurze Lacher. Der Leser setzt sich intensiver mit Eurem Inhalt auseinander und Euer Dank ist ihm sicher.

Um das zu verdeutlichen, haben Juliane und ich Euch eine kleine Motivationsgrafik gestaltet, die ihr Euch an die Wand hängen könnt. Und immer wenn einer der Wettbewerber wieder schneller war mit dem Viral der Woche, setzt ihr Euch hin und schreibt einen informativen Blogbeitrag. Nicht für die ganze Welt. Nur für Eure Kunden!

In der ersten Woche dieses Jahres habe ich schon genauso viele Anfragen von Headhuntern erhalten wie im ganzen ersten Halbjahr 2011 – das nennt man wohl ein deutliches Anzeichen für einen Boom.

Leider muss ich Euch, liebe Personaler, doppelt enttäuschen.

1. Ich bin nicht zu haben. Ich fühl mich hier wohl wie ein Fisch im Wasser.
2. Ihr braucht mich auch gar nicht. Ihr sucht die falschen Leute mit den falschen Qualitäten.

Mangelware 2013: Webanalysten und Kommunikations-Controller

Den selben Run auf eine bestimmte Marketer-Schicht habe ich vor etwa vier Jahren im Bereich Mobile Marketing erlebt. Ich war damals Projektmanager in einer Mobile Marketing-Agentur und bekam zu Hochzeiten bis zu drei Anrufe im Monat mit dem Angebot, mich auf die tollsten Stellen zu bewerben. Mittlerweile hat sich aber rumgesprochen, dass Konzepter, Kundenberater und Projektmanager nicht zwingend “mobile” denken müssen, sondern “digital”. Und gleiches gilt – so meine Prognose – auch für Social Media Manager. In zwei Jahren gibt in Agenturen keine Social Media-Experten mehr. Stattdessen werden alle Kreativen, alle Dialogmanager und alle Kundenbetreuer zwingend Social Media-Kenntnisse mitbringen müssen. Entsprechend wird auch die Suche nach neuen Mitarbeitern bei XING nicht über das Schlagwort “Social Media” erfolgen, sondern über die klassischen Begriffe “Konzeption”, “Dialog”, etc.!

Was aber spätestens 2013 zur absoluten Mangelware auf dem Personalmarkt wird, sind Online-Kommunikations-Controller. Da bin ich felsenfest von überzeugt. Die Datenmengen, die ein Unternehmen zukünftig auswerten muss, sind nicht mehr mit Excel-Tabellen zu beherrschen und das Know-how – anders als bei Facebook – nicht in einem 14-tägigen Schnellkurs zu erlernen.

Webanalyse mit Webtrekk

Webanalyse mit Webtrekk

 

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Nomimago ist ein Bilder-Generator für die neue Facebook-Ansicht “Chronik”, den wir als Showcase zusammen mit den Dresdner Agile-Developing-Assen ostec gebaut haben. Es handelt sich nicht um eine Facebook-App, verlangt also keinerlei Daten. Ob und wie wir Nomimago auch Kunden anbieten, hängt davon ab, welchen Spielraum Facebook letztlich für eine werbliche Nutzung zulässt. Mehr dazu weiter unten und in der Pressemitteilung.

Chronik kommt

Bisher haben nur ca. drei von zehn meiner Facebook-Freunde die neue Profilansicht “Chronik” genannt aktiviert. Wenn wie angekündigt “zwischen den Jahren” alle Profile umgestellt werden, könnte das also recht lustig werden. Nach einer kurzen Hilflosigkeit vor allem auf Seiten derjenigen, die Facebook nur selten benutzen, dürfte Facebook die größte Like-Welle überhaupt erleben, denn das neue Profil bringt viele vergessene Highlights wieder an die Oberfläche.

Kein Grund zur Panik

1. Auch wenn überall zu lesen ist “Facebook will alles wissen“. Immer noch entscheiden die Nutzer, was sie mit wem teilen. Und es ist leichter denn je, seine Privatsphäre-Einstellungen individuell für jedes Posting zu modulieren und das vor allem auch für zurückliegende.

2. Die eigentliche Nutzung selbst ist direkt nicht betroffen! “Arbeiten” tut man ja in der Regel nicht in den Profilen sondern in der Wall (bei vielen auch “Startseite” oder “Übersicht” genannt). Hier verändert sich zunächst einmal nichts. Man kann aber leichter in vergangenen Meldungen, Fotos, Videos und Linktipps seiner Freunde kramen. Das wird zu mehr Sorgfalt beim Upload und bei der Freundesauswahl führen. Und das kann nicht so verkehrt sein. Wenn wir Facebook mit einer Zeitung vergleichen, dann bleibt das Layout beim Lesen gleich, wir können uns nur leichter im Profil des jeweiligen Redakteurs umschauen. Und was wir dort finden, legt der alleine fest.

Nomimago hilft bei der individuellen Gestaltung

Neu ist auch, dass man sein eigenes Profil durch ein großes Titelbild zum ersten Mal individuell gestalten kann. Zusammen mit den sympathischen Jungs von ostec haben wir daher den smarten Bilder-Generator Nomimago gebaut. Nomimago bietet die Möglichkeit, drei Fotomotive zu personalisieren und so ein gestalterisches Ausrufezeichen zu setzen. Man kann Namen (Orte, Vereine) z.B. auf den Hollywood Hills oder als laszives Tattoo platzieren oder eine Liebesbotschaft ins Eis kratzen:

Ob wir Nomimago auch Kunden anbieten, hängt davon ab, welchen Spielraum Facebook letztlich für eine gewerbliche Nutzung zulässt. Laut Nutzungsbedingungen dürfen die Nutzer das Titelbild nicht für Werbezwecke gebrauchen. Fraglich ist, ob damit nur bezahle Werbung gemeint ist. Vorstellbar ist ja einiges. Ich denke sofort an Fußballschuhe, Trikots, Filmplakate, VIP Tickets, Strassenschilder, die man auch mit dem Logo des Sportartiklers, des Trikot-Sponsors oder einer Stadt branden kann. Eine Anfrage läuft jedenfalls.

Linksammlung:

*Die Pressemitteilung zu Nomimago gibt es hier

*Die offizielle Einführung von Facebook zur neuen Profilansicht gibt es hier

*Infos zur neuen Timeline geben u.a. t3n, Thomas HutterAnnette Schwindt und netzwelt

*Einen sehr lesenswerten Beitrag zum Thema Privatsphäre und Datenschutz hat Christian Möller auf allfacebook.de geschrieben.

*Wer partout das alte Profil zurück will, kann das temporär sicher über Plug-ins steuern. Aber man auch sein Leben lang in beige rumlaufen :D

*Eine Übersicht weiterer Titelbild-Anbieter (Fotos only) zeigt Mashable.

*Für die kreative und technisch begabteren gibt es hier Inspirationen für das Titelbild!

 

Im Springerblog wird heute die Prognose der International Data Corporation aufgegriffen, wonach 2012 digitale Inhalte in einer Größenordnung von 2.700.000.000.000.000.000.000 Byte ins Netz gestellt werden. Das wird zum Anlass genommen, die nicht von der Hand zu weisende Notwendigkeit einer manuellen Strukturierung durch Journalisten zu betonen.

Nicht erwähnt wird, dass auch der Journalismus den Umgang mit modernen Technologien beherrschen muss, um 2,7 Zettabyte zu strukturieren. Dazu gehören auch vernünftige Formatierung von Social Bookmarks und+nicht+solche+seltsamen+Gebilde :-)

 

Darüber, dass außerdem die wachsende Bedeutung der Crowd bei der Strukturierung und Aufarbeitung von Daten nicht erwähnt wird – egal ob in Form kollektiver Recherche (GuttenPlag, Wikipedia, Wikileaks) oder in Form von Verbreitung und Diskussionen in sozialen Netzwerken und (Micro)blogs – sollte und wird sicher an anderer Stelle diskutiert werden.

Erwähnen will ich aber noch den kleinen Agentur-internen Dialog.

Ich: “Im Springerblog wird argumentiert, dass man Journalisten braucht, um 2,7 Zettabyte zu strukturieren.

Jan: “Wieso? Das macht doch Retresco für die…

 

Am vergangenen Freitag startete ich eine kurze Rundreise durch heimatliche Nord-Gefilde (ich bin an der Unterweser aufgewachsen) mit einem Besuch des Hamburger Barcamps, wo ich überraschend und kurz vor knapp noch auf die Liste der 400 Teilnehmer gerutscht bin. Gleich vorab: Es hat sich absolut gelohnt, dafür spontan die Reiseroute zu ändern. Viele gute Leute getroffen und – für mich das wichtigste bei einem Barcamp – ne Menge Anregungen, Ideen und Fragen mitgenommen.

Meine Ankunft erfolgte mit leichter Verspätung. Auf der Busfahrt nach Brambek sah ich ein so großartiges Beispiel für gelungene Außenwerbung, dass ich noch mal zurück musste… Begrüßung und Sessionvorstellung erlebte ich daher im Türrahmen eingequetscht. Man kann sagen: Es war ziemlich gut besucht. Auch wenn sich schon auf den ersten Blick ein klassisches, männliches Publikum offenbarte, waren doch erfreulich viele Frauen darunter! Und das meine ich nicht im Hinblick auf potentielle Flirts (vom Barcamp-Herzblatt wusste ich nichts und da war ich auch schon längst weg) sondern bezogen auf meine Post-Dmexco-Forderung nach mehr Frauen im Online-Marketing. Wie auch immer: Die Teilnehmer in Hamburg schienen (und waren) sehr sympathisch und sehr gut gelaunt! Und dabei hatte Hamburg mal wieder allerfeinstes Schmuddelwetter (Gegenwind von allen Seiten, Temperaturen knapp über Null) im Angebot. Was doch eine gute Verkostung (Kaffe, Brötchen, Mett-Igel) ausmachen kann :-)

1. Session Venture Capital

Als erstes besuchte ich die Sesssion von Christian Leybold zum Thema Venture Capital. Ich hatte ihn bisher noch nie getroffen und fand seinen ehrlichen und unaufgeregten Workshop ohne Präsentation und Schnickschnack sehr angenehm, auch wenn sich nicht wirklich viel Neues für mich ergab. In meinen Worten zusammengefasst:

  • Think Big: Wer Risikokapital will, dessen Idee muss nicht nur Profit versprechen sondern vor allem Fantasien wecken. Fans des SC Freiburg sollten über Crowdfunding nachdenken, Fans vom VFL Bochum zuerst mit der lokalen Sparkasse reden. VC-Geber wollen Bayern-Fans
  • Auch bei VC-Gebern laufen Mails an die Info-Adresse ins Leere. Man sollte besser Netzwerktreffen (wie Barcamps) nutzen, um mit anderen Gründern ins Gespräch zu kommen, um so direkte Kontakte zu generieren
  • Es ist typisch deutsch und ziemlich sinnlos, seine Idee um jeden Preis geheim zu halten. Man verschenkt nur wertvolle Kontakte und Zeit, wenn man nicht die Karten auf den Tisch legt
  • Auf meine Frage, ob VC-Geber es gerne sehen, wenn ein Start-Up bereits Beziehungen zu einer PR-Agentur pflege, antwortete er ziemlich trocken, das hinge von der Agentur ab
  • (Hallo an dieser Stelle übrigens an die beiden Start-Upper, die mich im Anschluss angesprochen haben)

2. Session: Youporn regiert die Welt (und keiner merkt´s)

Reißerische Titel ziehen auch bei Barcamps. Keine wusste so genau, worauf Daniela mit ihrer Session hinaus will und so ganz richtig wusste sie das offenbar auch nicht. Gut besucht war es trotzdem.
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Sie ist Pflichtprogramm auf jeder Unternehmens-Website und wird zumeist auch wie eine lästige Pflicht behandelt: Die “Über uns”-Seite. Da sie für mich auch immer ein Gradmesser für PR- und Social Media-Potentiale ist, habe ich mit Freude den lesenswerten Blogbeitrag von Adam Kreitman, Inhaber der SEM-Agentur Words That Click gelesen. Es geht um die Nichtigkeit und (daraus resutlierende) Unterträglichkeit der meisten “Über uns”-Texte und vor allem das dadurch verschenkte Potential!

Völlig zutreffend stellt er fest, dass die meisten Unternehmen in ihrem Selbstportrait vor allem beweisen, wie schwer es ihnen fällt, die Kunden-Perspektive einzunehmen. In gefühlt 90% aller Fälle lesen wir dort, dass die Firma die geilste Firma mit den geilsten Produkten und den geilsten Mitarbeitern ist. Das Ganze schildern sie dann mehr oder weniger ausführlich und blumig, um abschließend in einem Kernsatz festzuhalten, dass die Firma die geilste Firma mit den geilsten Produkten und den geilsten Mitarbeitern ist.

Adam betont: “That’s all well and good, but there’s just one problem…no one cares! People care about themselves. They want to know how your company, your products/services, and your employees can improve their lives.”

Seine These: Unternehmen sollten nicht so oft von Eitelkeit geblendet in den Spiegel schauen, sondern festhalten, wie sie sich Ihren “perfekten Kunden” vorstellen. Das würde viel mehr über das eigene Unternehmen aussagen als die typische Selbstbeweihräucherung.

Was die “Über uns”-Seite über das Social Media-Potential von Unternehmen aussagt

Insbesondere für B2B-Unternehmungen möchte ich Adam bedingungslos zustimmen! Wo kann ein Unternehmen auf seiner Website mehr Persönlichkeit demonstrieren als an dieser Stelle? Wenn ich das Potential eines Kunden im Social Web untersuchen soll, ist meine erste Handlung immer der Besuch auf dessen “Über uns”-Seite. Je allgemeiner, werblicher (und langweiliger) dort ein Unternehmen vorgestellt wird, desto schwerer wird ihm die Kommunikation im Social Web fallen.

Natürlich gilt auch hier die alte (Social Media)-Weisheit: “It´s not what you say that matters, it´s what you do!” Aber die “Über uns”-Seite ist eben eine wichtige (oftmals sogar die einzige) geschriebene Wertegrundlage, an der man das Tun eines Unternehmens messen kann. Und die erste Handlung betrifft zum Beispiel das verwendete Bildmaterial, welches ja mehr “Über uns” verraten soll. Stock-Fotos gehen eigentlich gar nicht. Aber guck an, die Mitarbeiter einer fränkischen Steuerkanzlei arbeiten auch in einem schwedischen Handyladen und da twittert das “Social Media Gesicht” einer Münchener Online-Prospekt-Seite auch für eine US-amerikanische iPhone-App.

Das gilt übrigens mindestens genauso im Hinblick auf potentielle Bewerber. Ich weiß noch genau, wie beeindruckt ich war, als ich zum ersten Mal auf der Fische-Website neben vielen anderen guten Einblicken davon las, dass sich potentielle Kunden besser nach Alternativen umschauen sollten, wenn es ihnen schwer falle, dass man als Dienstleister auf Augenhöhe auch mal Klartext rede.
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